Mittwoch, 6. Januar 2021

»Wiederbelastung« Götz Kubitschek zu Simon Strauß

Dichter in 'dürftiger' Zeit

 


 
»Ein bißchen Konsensstörung, ein bißchen innerer Aufstand, ein bißchen Provokationsprofil – mehr soll und darf nicht mehr gewollt werden, denn alles, was darüber hinaus reicht und zur Kollektivaufladung führt, die das Ende der Geschichte vertagen wollen, wäre verantwortungslos.« – Simon Strauß



Der Tod des Individuums in der verwalteten Welt - Ein "Nachwort" zum Jahreswechsel

 Im Stimmenwirrwar unserer Zeit findet sich nur Weniges, was über die alltäglichen Oberflächlichkeiten hinausgeht und was sich möglicherweise als so tragfähig erweist, daß es sich lohnt, es gleichsam als "Reiseproviant für die Reise durch die Nacht" bei sich zu tragen. Ein Reiseproviant den man dann im Bedarfsfall zur Hand hat, auf den man zurückgreifen kann. Zu diesem Wenigen gehören zweifellos die Beiträge von Gunnar Kaiser, die ich jedem, der open-minded ist nur ans Herz legen kann.

Hier eine Art "Nachwort" zum Jahreswechsel:

 




Sonntag, 9. August 2020

Von Clowns und anderen weisen Menschen 2

 

... übe die Beine in die Hand zu nehmen!

                Übe es jeden Morgen! 

          Übe es jeden Abend!             

          Übe es sogar im Traum, übe es!

           im Gedenken an Hanns-Dieter Hüsch 

 

 


Samstag, 8. August 2020

Von Clowns und anderen weisen Menschen

Wenn alles gesagt, wenn alles Diskutieren und Palavern niemanden weiterbringt, dann schlägt die Stunde des Weisen, des Harlekins, des Clowns, des Narren, der lange Zeit zuvor die Dinge schon beim Namen nannte, die wirklich wichtig sind auf dieser Erde.

HDH, Hanns Dieter Hüsch zum Gedenken


Bedenkt, dass jetzt …


Bedenkt, dass jetzt um diese Zeit, der Mond die Stadt
erreicht.
Für eine kleine Ewigkeit sein Milchgebiss uns zeigt.
Bedenkt, dass hinter ihm ein Himmel ist,

den man nicht definieren kann.

Vielleicht kommt jetzt um diese Zeit
ein Mensch dort oben an.
Und umgekehrt wird jetzt vielleicht
ein Träumer in die Welt gesetzt.
Und manche Mutter hat erfahren,
dass ihre Kinder nicht die besten waren.
Bedenkt auch, dass ihr Wasser habt und Brot,
dass Unglück auf der Straße droht,

für die, die weder Tisch noch Stühle haben
und mit der Not die Tugend auch begraben.

Bedenkt, dass mancher sich betrinkt,
weil ihm das Leben nicht gelingt,

dass mancher lacht, weil er nicht weinen kann.
Dem einen sieht man’s an, dem anderen nicht.

Bedenkt, wie schnell man oft ein Urteil spricht.
Und dass gefoltert wird, das sollt ihr auch

bedenken.
Gewiss ein heißes Eisen, ich wollte niemand kränken,

doch werden Bajonette jetzt gezählt und wenn eins
fehlt, es könnte einen Menschen retten,

der jetzt um diese Zeit in eurer Mitte sitzt,
von Gleichgesinnten noch geschützt.

Wenn ihr dies alles wollt bedenken,
dann will ich gern den Hut, den ich nicht habe,

schwenken.
Die Frage ist, die Frage ist,

sollen wir sie lieben, diese Welt?
Sollen wir sie lieben?

Ich möchte sagen, wir wollen es üben.


-          Hanns Dieter Hüsch (2001),
      Ein gütiges Machtwort
,
      tvd, Düsseldorf, 1. Aufl,  S.123   -